Religiöser Sozialismus

Spätestens durch den Ersten Weltkrieg war Heinz Kappes klar geworden, „daß die Menschheit in einer akuten Evolutionskrise” begriffen ist. „Es geht um eine neue Lebensepoche in der Menschheit. Es geht um den Zusammenbruch der ganzen bisherigen Kultur.”

Die Parole eines großen Teils der damaligen deutschen Jugendbewegung anfangs der zwanziger Jahre: „Wir suchen den Neuen Menschen in einer Neuen Gemeinschaft!”, war für Heinz Kappes ein Signal. Er sah die große Hoffnung in der Arbeiterbewegung und im Sozialismus, und kam in Verbindung mit Christoph Blumhardt, der sich 1899 mit der Arbeiterbewegung identifiziert hatte und der nun die Botschaft vom ‚Reich Gottes auf Erden’, die Botschaft von der persönlichen Heilung und Heil aber auch vom Heil für die ganze Menschheit lebendig verkündete und lebte. Blumhardt sprach von einer gähnenden Kluft zwischen den beiden Welten ‚Kirche und Proletariat’. „Das Himmelreich kommt von unten her hinein in die Welt! Da ist Christus.”

Heinz Kappes verstand den Religiösen Sozialismus als Christentum der Tat: „Ich habe ganz in der karitativen Arbeit unter denen, die im Schatten leben, gestanden, habe den Kampf zu Ende gekämpft als Religiöser Sozialist ...” (Zitat aus T-0295 — Bewußtseinswandlung zur Einheit). In diesem Sinne war er Pfarrer und immer seit Anfang seines Vikariats — er ließ sich auf eigenen Wunsch „in das proletarischste Viertel der badischen Kirche” in Mannheim versetzen — bei der ‚schlechten Gesellschaft’.

„Wir ringen um das Reich Gottes in der ganzen Gegenständlichkeit der Bitte des Vater-Unser-Gebets: ‚Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel!’ Dazu ist Christus geboren, gestorben und auferstanden, dazu lebt Er heute, daß Er mit uns und wir mit Ihm kämpfen, daß die Welt einst werde Gottes Ort! Ich glaube an die Wiederkunft des Christus und eine erst dann erfolgende Vollendung. Aber ich glaube ebenso fest daran, daß heute und hier Christus nicht nur in meinem Gewissen, sondern auch in den wirtschaftlichen und politischen Ordnungen der Menschen auferstehen will.” (Zitat aus T-0227 — Wir und die sozialistische Jugend)

Heinz Kappes wurde Mitglied des Pazifistischen Internationalen Pfarrerbundes und als Vorstandsmitglied der Religiösen Sozialisten in Baden entfaltete er neben seiner Gemeindearbeit eine starke Publikationstätigkeit. Auf zahlreichen Versammlungen der Religiösen Sozialisten hielt er Vorträge und gestaltete Gottesdienste. Auch unter dem Eindruck des Hitler-Putsches trat er dann im Jahre 1924 in die SPD ein. Von 1926 bis 1933 vertrat er die Partei zuerst im Bürgerausschuss und ab 1930 als Stadtrat in Karlsruhe. Seit 1926 war er zudem als jüngster Abgeordneter Mitglied der badischen Landessynode bis 1933.

Im Jahr 1923 hatte er in einer Vision die große Katastrophe vorausgesehen, die Hitler über Deutschland bringen würde. Dies veranlasste ihn zu einem intensiven Kampf gegen den Nationalsozialismus, was schließlich zu seiner Amtsenthebung und Ausweisung aus Baden 1933 führte.

Mit Hilfe befreundeter Quäker gelang ihm und seiner Familie dann die Emigration nach Jerusalem. Damit endete die Zeit der intensiven politischen Betätigung in Deutschland und kam für Heinz Kappes auch nach seiner Rückkehr im Jahre 1948 in dieser Form nicht mehr zurück.

Für ihn bedeutete inzwischen die Aufforderung „des großen Erleuchteten des vergangenen Jahrhunderts”, des Jüngeren Blumhardt: „Wir sollen das Reich Gottes sein! ... SEIN!”, zuallererst die Tatsache: „...wenn man für den Frieden kämpfen will, muß man selber Friede sein. Er meinte damit den inneren Weg der vollkommenen Überantwortung an Gott, denn ER ist da, ER wirkt. In IHM sollen wir Friede sein und darum Friede wirken als Seine Werkzeuge.„ (Zitat aus T-0166 — Friede auf Erden)

Ganz besonders möchten wir auf das Buch: Wir sind keine stummen Hunde — Heinz Kappes (1893–1988), Christ und Sozialist in der Weimarer Republik - von Balzer/Wendelborn (Pahl-Rugenstein-Verlag) hinweisen, das diesen Lebensabschnitt von Heinz Kappes aus kirchenhistorischer Sicht in hervorragender Weise beleuchtet.

Sie finden hier einige Reden, Vorträge und Predigten aus dieser Zeit.

Titel
Anlass
Datum
Ort
Form
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Wir und die sozialistische Jugend
Rede bei der Älteren-Tagung des BDJ
01.01.1929
Hannoversch-Münden
Vortrag
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Jugend ohne Hoffnung
Rede auf dem Kongress der Religiösen Sozialisten Deutschlands 1929
01.05.1929
unbekannt
Rede
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Lasset euch versöhnen mit Gott
Letzter Gottesdienst der Religiösen Sozialisten Karsamstag
14.04.1933
Karlsruhe
Predigt
PDF-Symbol
Stirb und Werde des deutschen Menschen in unserer Zeit
Ansprache an die Karlsruher Jugend
19.10.1948
Karlsruhe
Ansprache
PDF-Symbol