Einleitung zu Savitri

„Und so muß man Savitri auffassen, daß es ein Buch von ewiger Bedeutung für den Menschen und für die Menschheit ist. Und darum soll man sich nicht anmaßen, das schnell durchzulesen und dann verstanden haben zu wollen, sondern es ist das Buch, das unerschöpflich ist, wie auch die Heiligen Schriften anderer Hoher Religionen. Ich sehe also keinen Widerspruch zwischen Savitri und dem Neuen Testament, denn es ist darauf hingewiesen: auf das Reich Gottes auf Erden. Und es ist ausdrücklich nach dem langen Zwiegespräch zwischen Liebe und Tod gegen Ende des Buches vom Tod bekannt, daß er überhaupt nicht existiert als Wirklichkeit, sondern da ist als die große Erziehungsmacht für den Menschen, damit er nicht hängenbleibt an allem, was vergeht mit seinem Sterben: das Materielle, das Vitale, das Begehren, das Intellektuelle, die Ansprüche des Ich, überhaupt sein Ich. Und darum ist die Grundtendenz dieses Buches: mit der Reinkarnation, also dem Aufsteigen zu immer höherer Verwirklichung des Selbst wird auch der Weg gezeigt in den verschiedenen Offenbarungen des Mentals.” (Zitat aus T-0461 — Nachwort zu Savitri)

„Die Legende von Satyavan und Savitri wird im Mahabharata erzählt als das Gleichnis von der ehelichen Liebe, die den Tod besiegt. Aber diese Legende ist einer der vielen Symbol-Mythen aus dem Umkreis der Veden, wie zahlreiche Züge dieser menschlichen Geschichte beweisen. Satyavan ist die Seele, die die göttliche Wahrheit des Seins, herabgestiegen in die Gewalt von Tod und Unwissenheit, in sich trägt. Savitri ist das Göttliche Wort, die Tochter der Sonne, die Gottheit der höchsten Wahrheit, die herabkommt und geboren wurde für das Heil. Aswapati, der Herr des Pferdes, ihr menschlicher Vater, ist der Herr von Tapasya, jener konzentrierten Energie spirituellen Bemühens, die uns hilft, uns aus den Ebenen der Sterblichkeit zum Unsterblichen zu erheben. Dyumatsena, der Herr der Heerscharen, Vater von Satyavan, ist das göttliche Bewusstsein, das hier erblindete, sein himmlisches Königtum und damit das seines Ruhmes verliert. Doch dies ist keine bloße Allegorie, die Mitwirkenden sind nicht personifizierte Eigenschaften, sondern Inkarnationen oder Emanationen lebendiger und bewusster Kräfte, mit denen wir konkret in Berührung kommen können. Sie nehmen menschliche Gestalt an, um dem Menschen zu helfen und ihm den Weg von seiner sterblichen Verfassung zu einem göttlichen Bewusstsein und unsterblichen Leben zu zeigen.” (Sri Aurobindo)

„Seit Sri Aurobindo sich 1926 aus dem direkten Kontakt mit den Menschen zurückgezogen hatte, arbeitete er (neben vielen anderen Veröffentlichungen) an Savitri. In 24.000 englischen ‘blanc verses’ hat Sri Aurobindo in sublimster dichterischer Sprache eine geistige ‘Biographie’ von sich und ‘Der Mutter’ geschrieben, die alle Erfahrungen enthält, die ein zur höchsten Realisation gelangter Mensch auf allen Gebieten von dem niedersten Bereich des Lebens bis zu den höchsten geistigen Höhen machen kann ... damit er dann das große Opfer bringt, auf der Erde unter den Menschen, einsam und unverstanden, das Kreuz zu tragen und durch die Liebe zu erlösen.” (Zitat aus T-0052 — Die Stellung des Menschen in der Evolution)

Die letzte große Arbeit von Heinz Kappes war nach jahrzehntelanger intensiver Beschäftigung mit dem Epos Savitri, dem Höhepunkt in Sri Aurobindos Lebenswerk, und in ständigem inneren Ringen um eine angemessene Übersetzung die endgültige Übertragungen dieses Werkes in die deutsche Sprache, heute verlegt beim Hinder+Deelmann-Verlag, Gladenbach. Diese Arbeit begleitete ihn über 40 Jahre – die erste Begegnung mit den Werken von Sri Aurobindo Ende der 30er Jahre waren neben dem Life Divine einige Kapitel aus Savitri. „Seit über 40 Jahren bin ich nun mit Savitri bekannt. In den letzten Jahren meines Jerusalemer Aufenthalts wurde mir, da ich ja aus Indien ungehindert mit dem englischen Geld Palästinas mir die Bücher Sri Aurobindos kommen lassen konnte, Savitri bekannt. Zuerst waren es Folgen der einzelnen Canti (Verse), die getrennt verschickt wurden. Und erst kurz vor meiner Rückreise im Jahr 1948 - und 1950 starb ja Sri Aurobindo - bekam ich die erste zweibändige Ausgabe, die ich mitnahm. Und seitdem bin ich immer damit beschäftigt.” (Zitat aus T-0461 — Nachwort zu Savitri)

Nach dem Tod seiner zweiten Frau Riek 1977 wurde Heinz Kappes von Else Lehle versorgt, die ihn 1981 in ihre Wohnung in der Reinsburgstraße 33 in Stuttgart aufnahm, da er aus seiner Karlsruher Wohnung ausziehen musste. Ihre Hilfe schuf die Voraussetzung dafür, daß er in ständigem inneren Ringen um eine angemessene Übersetzung von Savitri diese Arbeit in seinen letzten Lebensjahren noch fertig stellen konnte. Auf Wunsch einiger Freunde sprach Heinz Kappes kurz vor seinem Tod von September 1985 bis Juli 1986 noch die gesamte von ihm autorisierte Übersetzung auf Tonband.

„Es ist eines der reizvollsten Experimente, seine Lesung von Savitri zur täglichen Übung zu machen. Dieser Hinweis wendet sich an Menschen, die sich der Erkenntnis, ‚that to feel love and oneness is to live’ (Buch XII, Epilog, Vers 320) nicht verschließen und mit einem nicht zu besiegenden Optimismus an der zukünftigen Gestaltung dieser Welt mitarbeiten wollen.” (Quelle: Wir sind keine stummen Hunde, Balzer/Wendelborn, 1994 Pahl-Rugenstein-Verlag)

Im Jahr 2001 wurde diese Lesung auf 35 Audio-CD’s übertragen und ist seit kurzen hier auf dieser Website in Form von MP3-Dateien als Download verfügbar.