Kurzbiographie

 

Heinz Martin Heinrich Kappes
* 30. November 1893 in Fahrenbach/Baden
+ 1. Mai 1988 in Stuttgart Württemberg

Heinz Kappes 1985

 

Heinz Kappes 1985
(Foto von Friedrich-Martin Balzer)

 

Heinz Kappes wurde am 30. November 1893 in Fahrenbach/Baden als Sohn von Georg Kappes (1863–1931) und Marie Kappes geb. Stoll (1866–1933) geboren. Er wuchs als Sohn eines evangelischen Pfarrers und Kirchenrates in einem an der praktischen Wirklichkeit orientierten Pfarrhaus auf.

Nach dem Abitur 1911 führte ihn sein Theologie- und Orientalistikstudium nach Tübingen und später nach Berlin. Aus dem Ersten Weltkrieg, zu dem er sich 1914 als Kriegsfreiwilliger gemeldet hatte, kehrte er — nach einer schweren Kopfverletzung 1916 in der Somme-Schlacht — nach Kriegsende 1918 als überzeugter Pazifist zurück.

Nach Abschluß seines Theologiestudiums in Tübingen 1919 ließ er sich auf eigenen Wunsch in seiner Vikariatszeit in ein Proletarierviertel von Mannheim versetzen. 1921 heiratete er seine erste Ehefrau Else Kern. Er wurde Mitglied des Pazifistischen Internationalen Pfarrerbundes und kam in die Jugendbewegung. 1922 übernahm er die Stelle als erster Jugendpfarrer in Karlsruhe und baute dort den Wohlfahrtsdienst in enger Zusammenarbeit mit Jugendamt, Jugendgericht und Fürsorgeheimen auf. Die große Hoffnung sah er in der Arbeiterbewegung und im Sozialismus. Er trat 1924 in die SPD ein, war von 1926 bis 1930 Stadtverordneter und ab 1930 außerdem Stadtrat der SPD in Karlsruhe. Zudem wurde er von den Religiösen Sozialisten Badens in die Landessynode gewählt und hielt auf deren zahlreichen Versammlungen Gottesdienste oder Vorträge. Sein Widerstand gegen den Nationalsozialismus seit 1923 führte 1933 zu kurzfristiger Inhaftierung und nachfolgendem Berufsprozeß mit Amtsenthebung und Ausweisung aus Baden.

Mit Hilfe befreundeter Quäker gelang ihm 1935 mit seiner Frau und seinen vier Kindern die legale Emigration nach Jerusalem. Dies war ein entscheidender Wendepunkt nicht nur in seinem äußeren Leben. Zunächst war er als Deutschlehrer und später als Angestellter der British Food Control tätig. Daneben vermittelte er im Auftrag der Quäker in der Friedensarbeit zwischen Arabern und Juden.

Über sieben Jahre lang hielt er zudem in einem Kreis um Martin Buber Vorträge über die Mystik aller Hochreligionen. In Jerusalem hatte er auch die erste Berührung mit den Werken Sri Aurobindos — er hatte in einem Antiquariat „durch einen Zufall”, wie Heinz Kappes es selbst bezeichnet, das Magnum Opus, das Life Divine dieses indischen Philosophen entdeckt. Kurz vor seiner Rückkehr nach Deutschland erhielt er noch die erste vollständige zweibändige Ausgabe von Sri Aurobindos Epos Savitri, das bis dahin nur in einzelnen Canti erhältlich war.

1948 kehrte Heinz Kappes nach Deutschland zurück. Er heiratete seine zweite Frau Riek und war nach seiner Rehabilitierung durch die Badische Landeskirche zunächst als Religionslehrer tätig und übernahm später den Wiederaufbau des evangelischen Gemeindedienstes in Karlsruhe. Daneben hatte er einen Lehrauftrag am Diakoniewissenschaftlichen Institut in Heidelberg und an der Karlsruher Volkshochschule. Im Jahre 1950 lernte er während eines Amerika-Aufenthaltes — auf Einladung der amerikanischen Regierung als Geschäftsführer der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit — auch die Bewegung Alcoholics Anonymous (AA) kennen, deren grundlegende Schriften er später übersetzte.

Nach seiner Pensionierung im Jahre 1959 hielt er sich für insgesamt 1 1/2 Jahre im Ashram Sri Aurobindos in Indien auf und kehrte mit dem Entschluß und dem Auftrag ‘Der Mutter’ (Mirra Alfassa) zurück, die Hauptwerke Sri Aurobindos zu übersetzen. In den sechs Jahren von 1964 bis 1969 wurde in 24 Heften die laufende Übersetzung aus Werken von Sri Aurobindo und ‘Der Mutter’ veröffentlicht. Herausgeber dieser Vierteljahresschrift Integraler Yoga unter der Schriftleitung von Heinz Kappes war der durch ihn 1963 gegründete Deutsche Zweig der Sri Aurobindo Gesellschaft e.V.. Mit Erscheinen des ersten Hauptwerkes in deutscher Sprache, Die Synthese des Yoga, in Buchform durch den Verlag Hinder & Deelmann, Gladenbach, wurde die Herausgabe der Hefte eingestellt.

Parallel zur Übersetzung dieser Werke übertrug er die grundlegenden Schriften der Anonymen Alkoholiker (AA) und der Emotions Anonymous (EA) in die deutsche Sprache und unterstütze als Mitbegründer der ersten AA-Gruppen in Karlsruhe den Aufbau der A-Bewegung in ganz Deutschland. Er stellte sich selbst unter deren „Zwölf-Schritte-Programm” und sprach bis in seine letzten Lebensjahre auf zahlreichen Veranstaltungen der A-Bewegungen.

Nach dem Tod seiner Ehefrau Riek übersiedelte er 1981 nach Stuttgart zu Else Lehle. Dort konnte er seine letzte große Übersetzungsarbeit im Alter von über 90 Jahren fertig stellen, die vollständige Übertragung des Epos Savitri von Sri Aurobindo in die deutsche Sprache.

Bis zu seinem Sterbetag am 1. Mai 1988 empfing er noch täglich Menschen, die bei ihm Rat und Hilfe suchten.

Tabellarischer Lebenslauf
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